Halbzeit
Mit Volume 6 der sämtlichen Sinfonien von Dmitry Schostakowitsch
bei MDG präsentiert das glänzend disponierte Beethoven Orchester
Bonn mit Unterstützung des National Ukrainian Choir "Dumka"
zwei hoch politische Werke des Komponisten: 34 Jahre liegen zwischen
der 2. und der 12. Sinfonie, doch sind beide in Lenins und Stalins kommunistischen
Russland fest verwurzelt.
Proletkult
Der Erfolg seiner "Ersten" bescherte ihm den Auftrag zur "Zweiten":
Pünktlich zum 10. Jahrestag der Oktoberrevolution schuf der junge
Schostakowitsch ein Werk, das offenbar nur bei erster Betrachtung den
Vorstellungen einer neuen "Kunst des Proletariats" entsprach.
Seine Widmung "An den Oktober" wurde erst preisgekrönt
und verschwand dann als "zu formalistisch" unter Verschluss.
Dabei hatte Schosta-kowitsch sogar die exotische Klangfarbe echter Fabriksirenen
in sein Werk integriert...
Propaganda
Pünktlich zum 22. Parteitag der KPdSU im Jahr 1961 stellte Schostakowitsch
auftragsgemäß die 12. Sinfonie fertig. Sie trug den Titel
"Das Jahr 1917", geriet ihm aber mitnichten zu einem Portrait
über Lenin, wie es der Parteiapparat gewiss erwartet hätte.
Dies erklärt den plakativ-propagandistischen Stil der Sinfonie
und lässt auch die Überschrift "Morgenröte der Menschheit'
des Schlusssatzes in anderem Licht erscheinen.
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Orakel
Roman Kofmans Credo ist, dass Schostakowitsch wie jeder andere Sinfoniker
zu spielen sei. "Es gibt eine gewisse Tradition, viel zu viel politisches
Pathos in die Werke zu legen." Bei dieser Aufnahme kann man erleben,
wie der Bonner Generalmusikdirektor jetzt mit den hoch politischen Werken
des russischen Sinfonikers umgeht. "Mit dem Schostakowitsch-Zyklus
ist Roman Kofman ein richtiger Wurf gelungen", jubelte Klassik.com:
"Vielleicht werden in 20 Jahren die meisten Dirigenten Schostakowitsch
auf eine vergleichbare Weise interpretieren."
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